Künstlerhaus Stadttöpferei Neumünster

°Ceramic Artist Exchange - Tandem

Kategorie: Ceramic Artist in Residence (Seite 1 von 13)

Call for Artists | °Ceramic Artist Exchange – Tandem 2019 – Neumünster/Germany

Jetzt bewerben / Apply now // Deadline: 29th september 2018!

www.residence2019.stadttoepferei.de

 

Zu Gast im September: Valentina Savić & Zia Fauziana | Präsentation am 28. September 2018

Im September begrüßen wir zwei neue Gastkünstlerinnen im Fürsthof. Valentina Savić reist aus Belgrad an. Anstatt Kate Roberts, die ihre Teilnahme leider kurzfristig absagen musste, kommt Zia Fauziana. Beide nehmen ab dem 5. September 2018 ihre Arbeit im Künstlerhaus auf. Die Abschlußpräsentation findet am Freitag, den 28. September 2018 um 18 Uhr statt. Die Entstehung der Kunstwerke in den kommenden Wochen, können Interessierte im offenen Atelier zu den Öffnungszeiten (Di-Fr 14-16 Uhr und Sa 10 – 12 Uhr) miterleben.

Kurzportraits:

Valentina Savić (obere Bildreihe) ist als bildende Künstlerin, Designerin und Kunsthandwerkerin seit über einem Jahrzehnt auf dem Gebiet der Keramikkunst aktiv. Verbindungen zwischen Körper und Raum und die Auseinandersetzung mit Konsum und Rationalismus sind dabei Hauptthemen ihrer installativen Arbeiten. Dabei mischt sie Keramik und Porzellan oft mit anderen Medien wie Metall, Digitaldruck oder Video. Beeinflusst ist Valentina Savić besonders von den Ideen des Bauhaus und Platons.

>>> www.valentinasavic.blogspot.de

Keramik wird oft mit Zartheit, Zerbrechlichkeit und gleichzeitig mit dem Femininen und Häuslichen in Verbindung gebracht. Zia Fauziana (untere Bildreihe) hinterfragt diese Klischees in ihrer künstlerischen Arbeit. Sie hat an der Fakultät für Bildende Künste und Design am Institut Teknologi in Bandung Keramikkunst studiert und war anschließend als Assistentin im Keramikstudio dieser ältesten technischen Hochschule Indonesiens tätig. Inzwischen studiert sie an der Universität der Künste in Berlin.

Portrait: Tomoko Konno

Im Rahmen einer Kooperation mit der Christian-Albrecht-Universität zu Kiel sind Texte zu den aktuellen Gastkünstlerinnen entstanden.

Lisei Ziesmer (CAU Kiel) porträtiert Tomoko Konno:

Berückend, fremdartig und irgendwie doch vertraut. Mit diesen Eindrücken tritt man an die bizarren und höchst detaillierten Werke von Tomoko Konno heran. Es ist sofort zu erkennen, dass ihre Arbeiten organisch gewachsen sind: Farbige Schuppen, in sich verdrehte Tentakel und andere lebendig wirkende Formen türmen sich zu Objekten, die z.B. an Korallenriffe, Dracheneier oder außerirdisches Leben erinnern.

Die japanische Künstlerin hat in Hong Kong begonnen mit Keramik zu arbeiten. Ihr Weg, das empfindliche Material Porzellan beherrschen zu lernen, führte sie zurück nach Japan und in eine der bedeutendsten Orte für Keramik: Nach Tokoname. Einer der sechs wichtigsten Stätten für die Keramikproduktion in Japan. Der lehmreiche Ort hat über die Jahrhunderte hinweg bedeutende Meisterwerkstätte hervorgebracht, deren Produkte in der ganzen Welt bekannt und beliebt sind. Die Nerikomi ist eine der traditionellen Techniken, die dort Verwendung findet. Diese Technik lernte Konno bei einem Meister vor Ort. Bis heute basieren ihre Werke auf dieser Technik, die sie immer weiter ihren eigenen Bedürfnissen angepasst und so verfeinert hat

Tomoko Konno verbringt diesen Juli gemeinsam mit ihrer Tandem-Partnerin Ariadne Arendt im Künstlerhaus Stadttöpferei Neumünster und nimmt hier an dem Programm „Ceramic Artists in Residence“ teil, das den Austausch unter den Künstlerinnen sowie mit der sie umgebenden Kultur fördert.

Was ist die Nerikomi-Technik?

Nerikomi ist eine traditionelle japanische Keramiktechnik. Man färbt das Porzellan in verschiedene Farben: Blau, rot, gelb, wie man eben möchte. Dann schichtet man das entstandene Material aufeinander, dass daraus mehrfarbige Blöcke werden, die unterschiedlich groß sein können. Je nach dem, was man herstellen will, kann man sie nun weiterverarbeiten: In die Länge ziehen, zerschneiden, ausrollen, formen und so weiter. Die Farben mischen sich nicht, sondern bleiben einzeln sichtbar. Der Effekt sieht aus, als habe man das Porzellan marmoriert, da am Ende sehr unterschiedliche Muster zu sehen sind. Viele denken, dass sei aufgemalt, aber ich bemale meine Objekte nicht. Gelernt habe ich diese Technik in einer der japanischen Hochburgen für Keramik: Tokoname. Dort habe ich eine sehr traditionelle Herangehensweise an Nerikomi gelernt. Mittlerweile weiß ich allerdings nicht, ob mein Arbeiten noch sehr traditionell ist. Mir ist das auch nicht so wichtig, da ich schaue, was für mich und meine künstlerische Bedürfnisse passend ist.

Wie kommen Sie zu diesen Formen? Gibt es vorher Pläne?

Nein, und auch keine Vorlagen. Ich nehme die Formen aus mir selbst heraus und mache das, wonach mir ist. Es ist mir wichtig, bei meiner Kunst ehrlich zu mir zu sein. Bevor ich diese Art von Objekten hergestellt habe, fertigte ich funktionale Dinge wie z.B. Tassen oder Schüsseln. Damals habe ich sie richtig designt und sie waren auch sehr beliebt. Nach der Geburt meines Kindes hatte ich dann aber das Gefühl, dass ich unehrlich zu mir selbst sei. Plötzlich fühlte ich mich verändert und mir wurde bewusst, dass sich die Art und Weise meiner Kunst dem anpassen musste. Etwas ähnliches geschah nach der Tsunami-Katastrophe. Ohne dass ich es gemerkt habe, wurden meine Skulpturen unruhiger und haben eine andere Dynamik auch untereinander entwickelt.

Etwas bestimmt jedoch, wie die Objekte werden. Ich bemühe mich immer, dass sie in Verbindung miteinander stehen. Ich kreiere nichts Vereinzeltes. In den Ausstellungen sollen meine Objekte kommuniziere. Das tun sie ohnehin dort, wo es sich um Installationen handelt. Aber auch, wenn sie nicht in einem Raum sind, sind meine Werke verbunden. Außerdem bekommt jedes so etwas wie eine Antenne. So können sie sich erreichen.

Das hat einen ganz bestimmten Hintergrund. Ich bin in meinem Leben viel umgezogen und gereist. Ein Beispiel ist bereits, dass ich heute nicht mehr in Japan sondern auf Bali arbeite und wohne. Dabei stößt man oft auf Grenzen und damit meine ich Ländergrenzen, an denen entschieden wird, wer darf rein und wer nicht. Ich habe ein Problem damit. Für mich sind wir alle miteinander verbunden und Grenzen versuchen das zu unterbrechen. Meine Kunst soll die Grenzen verwischen und über sie hinaus gehen.

Mit einem Lächeln ist so etwas einfacher zu erreichen. Deswegen möchte ich, dass die Menschen sich freuen und lachen, wenn sie meine Kunst sehen. Ich verstecke immer mindestens einen Smiley in meinen Objekten. Kunst sollte nicht so ernst sein, sondern vielmehr Freude bereiten.

Die Abschlusspräsentation von Ariadne Arendt und Tomoko Konno findet am 20. Juli 2018 um 18 Uhr im Künstlerhaus statt.

Portrait: Ariadne Arendt

Im Rahmen einer Kooperation mit der Christian-Albrecht-Universität zu Kiel sind Texte zu den aktuellen Gastkünstlerinnen entstanden.

Lisei Ziesmer (CAU Kiel) porträtiert Ariadne Arendt:

Zwei Löwen flankieren einen irdenen Cubus. Ihre Pfoten liegen auf dem Dach des an eine Fabrik erinnernden Gebildes, aus dem mittig ein Schlot entspringt. Es handelt sich bei diesem Objekt von der Künstlerin Ariadne Arendt um eine Vase, die durch und durch Neumünster ruft: Eine Stadt die durch die Herstellung von Textil- und Lederwaren und den dazugehörigen Fabriken geprägt war. So sehr, dass die Fabrikschornsteine auf dem Neumünsteraner Wappen wiederzufinden sind. Eine Stadt aber auch, die mehr als nur Industriegeschichte besitzt. Die beiden Löwen beweisen es. Sie stammen von einem alten Wappen aus der Gegend, welches Arendt als Inspiration diente.

Die auf der Krim geborene Ariadne Arendt verbringt diesen Juli im Künstlerhaus Stadttöpferei Neumünster und nimmt als eine von zwei Künstlerinnen hier an dem Programm „Ceramic Artists in Residence“ teil. Das Programm möchte den kulturellen Austausch und die gegenseitige künstlerische Befruchtung fördern.

Wie und wann kamen Sie zur Keramik?

Das war in etwa vor vier oder fünf Jahren und kam ganz plötzlich. Es gab kein Initialerlebnis, nach dem ich dachte, ich müsse jetzt unbedingt mit Ton arbeiten. Es war viel mehr eine Idee, die mich überfiel. Zu Beginn war es ziemlich schwierig, weil man sehr viel technisches Wissen braucht und nicht wirklich Teil der keramischen Welt ist. Man muss also erst mal herausfinden, wo was ist und wo man evtl. einen Ofen zum Brennen findet. 

Eine Freundin von mir studierte damals Keramik und half mir weiter. Daraufhin nahm ich an drei Töpferstunden am Wochenende bei Tessa Eastman teil. Seit dem versuche ich meine Technik selbstständig zu verbessern und Neues zu lernen.

Welches Projekt möchten Sie hier in Neumünster umsetzen?

Ich versuche verschiedenes zu kombinieren. Ich möchte hier Objekte herstellen, an denen ich mich schon immer versuchen wollte. Dazu gehören u.a. Vasen. Dann ist es mir wichtig meine Erfahrungen, die ich hier in Neumünster mache, in meine Kunst einfließen zu lassen. Außerdem möchte ich wissen, was für  Traditionen es hier gibt, welche Volkskunst oder Geschichten und Mythen.

Als ich Kunstgeschichte studierte, habe ich mich viel mit der Art brut, Naiver Kunst und Volkskunst beschäftigt. Die Ursprünglichkeit dieser Kunstformen fasziniert mich. Auch weil sie nicht exklusiv ist. 

Alle können an ihr partizipieren: Jeder kann sie erschaffen, jeder kann sich mit ihr umgeben. Meine Arbeiten verfolgen denselben Ansatz: Ich möchte Schönes schaffen, mit dem man sich im Alltag umgeben kann. Dann entweder als Kunst- oder Alltagsgegenstand. Ein Teller z. B. kann als Unterlage für Essen genutzt werden oder aber an der Wand als Gemälde hängen. Beides ist möglich. Kunst sollte nicht nur für die westliche, weiße gehobene Mittel- oder Oberschicht sein. Kunst muss demokratisch, ehrlich und nicht von irgendwelchen Trends abhängig sein. Darum ist Ton auch ein so gutes Material. Weil es Ton überall gibt. Jeder kann damit arbeiten.

Es kommt nicht direkt aus Neumünster wurde aber von Auswanderern in den USA entwickelt: Fraktur. Diese Kunstform stammt von Pennsylvania-Deutschen, die aus dieser Gegend stammen. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Dekor, mit dem man Einrichtungsgegenstände oder amtliche Urkunden wie Hochzeits- oder Taufurkunden geschmückt hat. Ich möchte diese Kunst wieder zurück zu ihren Wurzeln bringen und darum möchte ich einige Elemente – ein wenig verfremdet natürlich – hier in Neumünster in meine eigenen Werke einbringen.

Nerikomi! Das ist die Technik, die Tomoko Konno nutzt, um ihre Werke zu bauen. Es ist eine ganz andere Herangehensweise und außerdem arbeitet sie mit Porzellan und nicht mit Ton. Daran traue ich mich noch nicht, weil Porzellan schwieriger zu bearbeiten und noch widerspenstiger als Ton ist. Außerdem hat sie uns in unseren Tandem-Sitzungen gemeinsam mit Danijela Pivašević-Tenner von der Stellung der Keramik in der Kunst Japans gesprochen. Das war sehr interessant, weil Keramik dort ganz anders bewertet wird. In der westlichen Kultur steht die Malerei an oberster Stelle in der Hierarchie der Künste und Keramik wird oftmals gar nicht als Kunst wahrgenommen. In Japan berücksichtigt man, dass ein Pinselstrich und die Farbe – wenn man es gelernt hat – einfacher zu kontrollieren ist. Die Arbeit mit Ton oder Porzellan dagegen bleibt auch für sehr Erfahrene eine ständige Herausforderung. Darum hat die Keramik in Japan auch einen höheren Stellenwert.

Die Abschlusspräsentation von Ariadne Arendt und Tomoko Konno findet am 20. Juli 2018 um 18 Uhr im Künstlerhaus statt.

Ältere Beiträge
Social media & sharing icons powered by UltimatelySocial